„Entschuldigung“: Darum gerät die Bitte um Vergebung in Vergessenheit

Das Wort „Entschuldigung“ scheint sich in unserer Gesellschaft immer mehr zu einem Zungenbrecher zu entwickeln – von einer Bitte um Vergebung, die es nach einem emotional verletzenden Ereignis bedarf, mal ganz zu schweigen. Mögliche Ursachen und wie du diesen entgegenwirken kannst, erfährst du hier.

Der Viersilber der guten alten Kinderstube wird im deutschen Sprachgebrauch zunehmend zur Rarität. Wo eine höfliche Entschuldigung früher schon bei der kleinsten Lappalie noch fast wie von selbst von den Lippen rutschte, herrscht heute meist eiserne Stille. Wer sich auf der Suche nach dem Schuldigen jetzt sofort auf „die Jugend von heute“ einschießt, urteilt vorschnell. Sicher hat diese mehr als genug Exemplare vorzuweisen, welche offensichtlich zu keinem Zeitpunkt auch nur irgendeine Art von Erziehung genossen haben. Doch auch ältere Generationen enttäuschen im gesellschaftlichen Miteinander immer regelmäßiger. Man könnte fast meinen, sie beginnen – im Angesicht heranwachsender Querschläger ohne jeglichen Werte und Normen – zu resignieren.

Es scheint, als würde die Masse reiferer Mitbürger – die es eigentlich besser wissen sollte – in Trotz verfallen und ihre Umgangsformen ebenso hintenanstellen. Dass sie den Prozess der gesellschaftlichen Verrohung mit der Vernachlässigung ihrer Vorbildfunktion nur noch beschleunigen, sehen die wenigsten. Umso amüsanter der immer wieder erschrockene Blick älterer Herrschaften, wenn diese dann doch einmal von einer offensichtlich jüngeren Seele um Verzeihung gebeten werden und ihren Ohren dabei kaum trauen wollen.

Keine Frage der Generation

Erfahrungsgemäß zollen sich am ehesten mutmaßlich Gleichaltrige – vorausgesetzt, sie schätzen sich als solche ein – noch den Respekt einer Entschuldigung. Aber auch dieses Phänomen befindet sich mittlerweile im Abwärtstrend.

Unter einem Generationenkonflikt kann man den Niedergang der Entschuldigung also nur schlecht verbuchen. Vielmehr scheint dieser der Einstellung, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, geschuldet: Entschuldigst du dich nicht bei mir, entschuldige ich mich nicht bei dir. Doch nur weil mehrere Personen sich nicht zu entschuldigen wissen, trifft das noch lange nicht auf jede weitere zu. Wer so denkt und als unlogische Konsequenz das Wort „Entschuldigung“ aus seinem eigenen Wortschatz streicht, verweigert früher oder später jemandem die Bitte um Vergebung, der selbst sehr wohl noch um Verzeihung zu bitten weiß. Da kann man nur hoffen, dass dieser jemand stärker an seinen Werten festhält. Sonst entschuldigt sich bald niemand mehr – Alter hin oder her.

Sag „Entschuldigung“

Wie wäre es also, wenn du künftig regelmäßig für „Aufsehen“ in deiner Umgebung sorgst? Sag „Entschuldigung“ und lass das Wort der Höflichkeit wieder zur Gewohnheit werden. Und auch wenn jemand es versäumt, sich bei dir zu entschuldigen: Weise ihn darauf hin, wann immer es die Situation zulässt!

Zu meinem Entsetzen muss ich übrigens feststellen, dass tatsächlich Ratgeber-Artikel existieren, die davon abraten, das Wort „Entschuldigung“ im Berufsleben zu verwenden – mit dem „Hinweis“, dass sich dieses Wort besonders in den weiblichen Sprachgebrauch „eingenistet“ habe. Bullshit. Komplett. Wer beim Entschuldigen zwischen Privat- und Berufsleben unterscheidet, vergisst eins: In jedem Fall steht man immer einem Menschen gegenüber.

Wem „Entschuldigung“ ebenso wenig abwechslungsreich erscheint, wie den Autoren solcher Beiträge, der kann es ja mal mit ein paar auflockernden Varianten wie diesen probieren: „Verzeihung“, „Tut mir Leid“, „Pardon“, „Sorry“, „Bedaure“ … !

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