Mockridge-Auftritt im ZDF-Fernsehgarten: Darum war Andrea Kiewels Ansage berechtigt

Warum Andrea Kiewel zu Recht live im ZDF-Fernsehgarten gegen Luke Mockridge austeilte und wieso dieser mit seinem Auftritt respektlos handelte, liest du dir hier.

Die Sendung des ZDF-Fernsehgartens vom 18. August 2019 sollte unter dem Motto „Woodstock meets Wacken“ stehen. Schließlich war das legendäre Woodstock-Festival 50 Jahre zuvor genau an diesem Tag zu Ende gegangen. Während Fans des Fernsehgartens das Motto feierten, sorgte die Ankündigung vom ZDF in den sozialen Medien durchaus für Hohn und Spott. Offenbar ein gefundenes Fressen für Comedian Luke Mockridge.

Live-Sendung im Fernsehgarten: Ein gefundenes Fressen für Saboteure

Wie immer lief die Show auch an diesem Sonntag Live im TV – ein Umstand, der dem Fernsehgarten-Team an diesem Tag einen Strich durch die Rechnung machen sollte. Nachdem Moderatorin Andrea Kiewel heiter ein paar eingefleischte Wacken-Besucher zu ihren Festival-Erfahrungen befragte und zugleich einen kleinen Seitenhieb gegen aufgebrachte GEZ-Zahler austeilte, kündigte sie noch gewohnt euphorisch ihren nächsten Gast mit den Worten „Welcome to Luckyland“ an: Luke Mockridge. Dann nahm das Theater seinen Lauf:

Luke Mockridge veranstaltet Affenzirkus im ZDF-Fernsehgarten

Mockridge mimt wortwörtlich den Affen. Nicht nur, dass er mit einer Banane rumfuchtelt. Nach diversen plump aneinandergereihten Kalauern, die zum Teil weit bis unter die Gürtellinie reichen, springt der 30-Jährige sogar wie ein Primat auf der Bühne herum – Affenlaute inklusive.

Ich selbst hatte zufälligerweise kurz zuvor den Fernsehgarten eingeschaltet und konnte nun meinen Augen nicht trauen. Jeden Moment rechnete ich damit, dass Mockridge das nicht enden wollende Affentheater auflösen und mit seinem eigentlichen Programm loslegen würde. Fehlanzeige.

Fassungslos: Andrea Kiewel unterbricht Mockridge-Auftritt

Von dem Affentanz hat dann auch Kiwi genug, die offensichtlich zu früh von der – wohl leicht überforderten Regie – eingeblendet wird. Von ihren Lippen kann man ein deutliches „Stopp“ ablesen, dass sie mit Kopfschütteln in Richtung Regie zu verstärken versucht. Kurzerhand moderiert sie den Affenzirkus ab: „Der ZDF-Fernsehgarten ist eine Bühne … für Künstler aller Art. Mehr sag ich jetzt dazu nicht“, improvisiert die 54-Jährige und kündigt die nächsten Künstler an. Doch so einfach sollte Luke nicht davonkommen.

„Das mieseste Verhalten“: Kiwi liest Mockridge live im TV die Leviten

Andrea kann den Auftritt von Mockridge nicht auf sich sitzen lassen. Sie nutzt ihre nächste Anmoderation, um ihrem Unmut mit mehr als deutlichen Worten Luft zu machen. Der Komiker sei am Morgen gar nicht erst zu den Proben erschienen, mit der Begründung, dass er verschlafen hätte:

„Ich denke mir, er wollte gar nicht, dass wir wissen, was er hier vorhat. (…) Diese Sendung, lieber Luke Mockridge, gibt es seit 33 Jahren, und zwar sehr erfolgreich. Dass es dann ein junger Künstler wagt, auf meiner Bühne vor meinem Publikum wie ein Affe rumzuspringen – aus welchen Gründen auch immer – halte ich für das mieseste Verhalten, was es unter Künstlern, unter Kollegen geben kann. Und weil wir im Festival-Modus sind ‚Shame on you, Luke Mockridge! Never ever again.’.“

Eine Frage des Respekts: Darum ist Andrea Kiewels Ansage berechtigt

An ruhigen Sonntagen schalte ich den ZDF-Fernsehgarten ein, um mich von dem Programm berieseln zu lassen. Und das meine ich keinesfalls despektierlich: Die Sendung und ihre Moderatorin Andrea Kiewel versprühen stets eine Leichtigkeit, die mich immer wieder einschalten lässt. Eine besondere Frische und willkommene Herzlichkeit, die im stressigen Alltag bedauernswerterweise nur allzu oft auf der Strecke bleiben.

Zwar bin ich für jedes Musik-Genre zu haben, doch kenne ich noch lange nicht alle Künstler. Ich lerne sie jedoch gerne kennen und bin offen für jegliches Talent, dass im Fernsehgarten seine Bühne findet. Der Erfolg der Show zeigt, dass viele Menschen diese Offenheit mit mir teilen. Wir respektieren die Kunst und ihre Künstler. Ist es dann zu viel verlangt, dass man auch uns als Zuschauer einen gewissen Respekt entgegenbringt?

Andrea Kiewel forderte diesen Respekt an diesem Sonntag für ihre Künstler, ihr Publikum und zuletzt auch für sich selbst und ihr Team live im TV ein. „Zu emotional und unprofessionell“ höre ich schon die Ersten schreien. Nein, sage ich. Als Gesicht des Fernsehgartens hat sie sich ohne Umschweife hinter alles gestellt, wovon diese Show lebt.

Twitter-User stehen hinter Kiwi

Kiwis Ansage hat gesessen! Das sieht auch der Großteil der Twitter-User so:

Das ZDF scheint ebenso voll und ganz hinter Kiwis Ansage zu stehen und kommentiert den Vorfall selbst mit Humor:

Unklar bleibt: Wofür das Affentheater?

Unklar bleibt, warum oder für wen sich Luke Mockridge auf der Bühne des ZDF-Fernsehgartens zum Affen gemacht hat. Auf Twitter wird über eine Beteiligung von Satiriker Jan Böhmermann oder den Moderatoren Joachim „Joko“ Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf spekuliert.

Gegen wen auch immer Mockridge eine Wette verloren habe und was auch immer uns diese Aktion in welchem weiteren TV-Format auch immer aufzeigen soll: Ich hätte Luke zugetraut, dass er weiter über den Tellerrand schauen kann und seine Wettschulden auf einem weitaus geistreicheren Weg begleicht.

Bisher hat sich Luke noch nicht zu seinem Auftritt geäußert. Eins bringt ihm sein Auftritt auf jeden Fall: Jede Menge Aufmerksamkeit – zu Ungunsten derer, die an diesem Sonntag tatsächliches Talent im Fernsehgarten präsentierten.


UPDATE vom 13. September 2019: Zum Auftakt seiner neuen Prime-Time-Sendung „LUKE! Die Greatnightshow“ löste Luke Mockridge die Hintergründe für seinen eklatanten Auftritt im ZDF-Fernsehgarten auf. Für seine Darbietung holte er sich Inspiration bei Grundschülern, die er nach Witzen und Geräuschen fragte, über die das Publikum ihrer Meinung nach lachen würde. Die kindlichen Aussagen und Ideen gab Luke eins zu eins in der TV-Show mit Andrea Kiewel wieder.

Im Nachhinein habe sich der Entertainer für seinen Auftritt „geschämt“, wie er in seiner Auftaktsendung selbst berichtete. Ein Einspieler mit Backstage-Aufnahmen von Lukes Tag im Fernsehgarten zeigte, dass ihm bei den Vorbereitungen zu seinem Vorhaben selbst nicht wirklich wohl war. „Jetzt geht mir gerade richtig der Stift. Ey, das gucken so viele Leute und das ist so ein Quatsch. Ich weiß auch gar nicht, ob ich mir diesen Text merken kann. Das ist ja so ein wirrer Wahnsinn, den die sich da ausgedacht haben“, sagte er noch eine Stunde vor seinem Auftritt. Bleibt für uns weiterhin die Frage: Warum hast du es dann gemacht, Luke? Alles nur PR für deine „Greatnightshow“, sonst nichts?

Der Sinn oder eine tiefere Bedeutung hinter diesem „Streich“, wie Luke selbst seine Aktion nennt, ging aus der Auflösung nicht hervor. Immerhin entschuldigte sich der Comedian für seinen Fehltritt bei seiner Kollegin Kiwi und dem ZDF. Die polizeilichen Ermittlungen gegen ihn wurden inzwischen eingestellt, wie aus einer offiziellen Pressemitteilung der Mainzer Polizei (POL-PPMZ: Mainz – Strafanzeige gegen Luke Mockridge, Anzeiger verzichtet auf Strafantrag) hervorgeht. Zuvor hatte ein Zuschauer des ZDF-Fernsehgartens Strafanzeige wegen Beleidigung gegen Luke erstattet.

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