Messenger-Leiche Gruppenchat: 6 gute Gründe, dich an Gruppengesprächen zu beteiligen

Gruppenchats sollen eigentlich der Kommunikation von Gruppen dienen. In der Praxis sieht das meist ganz anders aus: Kaum ein Gruppenmitglied fühlt sich wirklich angesprochen – oft herrscht nur sporadischer Austausch bis hin zur Funkstille. Warum du dich künftig aktiv und zeitnah an Gruppengesprächen beteiligen solltest, versuche ich dir anhand einer Erfahrung aufzuzeigen, die ich leider vor Kurzem machen musste.

Wir haben September, die Weihnachtszeit wirft sich also langsam aber sicher in die Puschen. Eine Tour über die Berliner Weihnachtsmärkte am ersten Adventwochenende im engsten Freundeskreis schien mir kürzlich eine passende Idee, um sich gemeinsam auf das Fest der Liebe einzustimmen. Der schnellste Weg alle zusammenzutrommeln? Ein Gruppenchat in einem Messenger – so glaubte ich. Also eröffnete ich eine Gruppe, fragte die mir Liebsten in einem weihnachtlich ausgeschmückten Text nach Lust und Zeit und bot meine vier Wände als Schlafplatz an.

„Lasset die Planung beginnen!“, dachte ich mir noch beim Abschicken meiner Nachricht. Meine Euphorie für das möglicherweise bevorstehende Event schwappte allerdings offenkundig nicht über: Gut einen Tag später hatte immer noch niemand auf meine Zeilen reagiert – keine Zusage, keine Absage, keine Vertröstung. Nichts.

Fast 24 Stunden Funkstille: Was stimmt mit euch nicht?

„Was stimmt mit euch nicht?“, dachte ich mir tatsächlich schon eine halbe Stunde nach dem Absenden meiner Einladung, die untypischerweise immer noch unkommentiert im Chat-Fenster hing. Ich suchte nach möglichen Umständen, weshalb die Antworten auf sich warten lassen könnten. Immerhin schickte ich meine Nachricht an einem Freitagabend auf den Weg. Das Wochenende beginnt und der Mensch widmet sich höchstwahrscheinlich wichtigeren Dingen als seinem Smartphone …, oder?

Am Samstagmorgen fragte ich mich dann, ob vielleicht etwas mit mir nicht stimmte, dass ich so lange auf eine Rückmeldung warten müsse. Hatte ich vielleicht ein wichtiges Event vergessen, zu dem ich mich hätte melden sollen? Was war passiert?

Mein Verständnis versiegte am Samstagnachmittag. Wie ich sehen konnte, hatte mittlerweile jedes Gruppenmitglied meine Nachricht erhalten und gelesen.

Erwartungshaltung

Mein Freund meinte, ich solle die gähnende Leere in dem Gruppenchat nicht so eng sehen. Jeder hätte sicher einen guten Grund, bisher nichts von sich hören lassen zu haben. Fast 24 Stunden? Das ist nicht allzu lange, möge der ein oder andere jetzt sagen. Ich finde schon. Ich habe meine Freunde eingeladen. Meine Freunde. Und da sind wir ganz schnell bei der Erwartungshaltung.

Ich halte große Stücke auf meine engsten Freunde – überhaupt keine Frage. Irrwitzigerweise habe ich kurz vor meiner Einladung noch von deren Unkompliziertheit geschwärmt und wie entspannt der Weihnachtsmarktbummel in vereinter Runde sein wird – schließlich würden die meisten einander erst zu diesem Anlass kennenlernen.

Zu früh gefreut. Aus dieser Erwartung heraus hat mich das ausbleibende Feedback in dem Gruppenchat eiskalt erwischt. Tatsächlich nahm ich mir das Schweigen sehr zu Herzen. Dass ich dermaßen lange auf eine Antwort von jedem einzelnen warten muss, hatte ich nicht erwartet, bin ich nicht gewohnt und möchte es auch künftig nicht sein.

Gruppenchats erleichtern gar nichts, wenn der Mensch nicht will

Sage und schreibe vier unfassbare Tage später erhielt ich – wohlgemerkt auf die nun schon zweite Nachfrage – eine Rückmeldung von den letzten drei noch verbliebenen Parteien. Vier Tage. Auf eine Einladung per Gruppenchat. Online, weil uns das Internet ja die Kommunikation so schön erleichtert. Ein Witz. Denn wenn der Mensch nicht will, bringen uns auf Gruppen ausgelegte Soft- und Hardware rein gar nichts. Für die Katz.

Aber warum, will der Mensch denn nicht? Zu nervig, zu anstrengend? Oder will er vielleicht, aber eben nur dann, wenn er gerade Lust hat?

Gruppenchat Smartphone
Wenn man wirklich will, ist für eine kurze Antwort immer Zeit. (Bild: Sarah Stange Fotografie)

6 gute Gründe, dich an Gruppenchats zu beteiligen

Kommunikation funktioniert nicht, wenn sich alle nur dann an ihr beteiligen, wenn sie gerade Lust auf sie haben. Im schlimmsten Fall landest du als Fragesteller wie in meinem Beispiel bei einem Monolog. Aber auch für die schweigenden Lämmer kann es übel werden, denn: Über kurz oder lang schießt du dich wegen deiner Teilnahmslosigkeit am Gruppenchat selber ins Aus. Warum? Die folgenden Gründe verraten es dir.

1
Es ist eine Frage des Anstands

Ich kann mich nicht erinnern, dass wir damals – noch lange vor dem Nokia 3310 – mal in einer Gruppe leibhaftig zusammensaßen und sich kurz nach der Ansprache eines diskussionsbedürftigen Themas der Großteil an Personen wortlos aus dem Staub machte – in der Hoffnung, dass der übrige Rest das Schiff schon schaukeln würde. In jenen Tagen war das eine Frage des Anstands. Ein, zwei Pappenheimer gab es immer. Aber heute? Wie steht’s um deinen Anstand?

2
Auf der anderen Seite sitzen auch Menschen

Auch wenn ihr Hunderte Kilometer voneinander entfernt seid: Jeder, der auf das Chat-Fenster schaut, ist ein Mensch. Ein Mensch, der seinen Tagesablauf hat und dessen Zeit genauso kostbar ist wie deine. Ein Mensch, der möglicherweise auf deine Antwort wartet, um ein Treffen mit dir rechtzeitig planen zu können.

3
Du bewahrst deine Freundschaften

Du bist nicht ohne Grund Mitglied einer Gruppe, sondern weil du jemandem wichtig bist. Wäre dem nicht so, könnte man ansonsten getrost auf deine Beteiligung oder Meinung verzichten. So hätte auch meine Einladung meine Freunde nie erreicht, wenn ihre Gesellschaft für mich nicht von Bedeutung wäre.

Allein die Tatsache, dass man dich beim Erstellen einer Gruppe als Mitglied bedenkt, sollte also Grund genug sein, dich innerhalb der Gruppe zumindest kurz zu dem Gesprächsthema zu äußern – wenn auch nur aus Höflichkeit bzw. als Geste der Wertschätzung. Wer Fragen ständig gänzlich unbeantwortet lässt, macht sich auf Dauer schließlich keine Freunde.

4
Du kannst neue Bekanntschaften machen

Du wurdest zusammen mit diversen Menschen, die du nicht kennst, in eine Gruppe eingeladen? Tatsächlich ist das eine perfekte Basis, um neue Leute kennenzulernen. Gerade im Vorfeld eines Events kann es von Vorteil sein, wenn man mit dem ein oder anderen Gast schon mal ein paar Worte ausgetauscht hat. Da fällt der Einstieg in ein persönliches Gespräch später sicher etwas leichter.

5
Du gehst mit gutem Beispiel voran

„Irgendjemand wird schon antworten.“ – an dieser Devise scheint sich nicht nur ein Großteil zu orientieren, sondern immer öfter nahezu jeder. Wie sonst ist das Dauerschweigen zu erklären, dass sich auch nach einer Frage immer öfter in Gruppenchats einstellt? Wenn jeder glaubt, sein Nachbar wird’s richten, kommt man eben zu nichts. Am besten schiebst du deine Antwort also nicht auf die lange Bank, sondern äußerst dich, sobald du die Nachricht gelesen hast. Eine kurze Rückmeldung kostet dich nicht mal eine Minute.

6
Du verhinderst eine demütigende Situation

Wenn in einem Gruppenchat – in dem viele Augen mitlesen – eine Frage gänzlich unbeantwortet bleibt, kann das ziemlich demütigend für den Fragesteller sein. Das fehlende Feedback kann schnell den Eindruck erwecken, als sei die Frage fehl am Platz oder gar überflüssig. Eine zeitnahe Antwort lässt diesen Anschein bzw. diese Situation gar nicht erst aufkommen.

Gruppenkommunikation: Antworten ist die Lösung

Die (digitale) Gruppenkommunikation lässt keinesfalls nur im Privaten zu wünschen übrig. Auch im Berufsalltag herrscht viel zu oft Funkstille, wenn es um die Abstimmung mehrerer Personen geht. Hier sind es dann meist die E-Mail-Verteiler, über die diskussionswürdige Themen an Gruppen gerichtet werden und häufig ebenso unbeantwortet bleiben. „Wenn keiner Bock darauf hat, antwortet eh niemand“, hallte es erst neulich in meinen Ohren. Als wäre es das Normalste der Welt, nicht zu reagieren, wenn einem missfällt, was er zu lesen bekommt. Das Missfallen ist hierbei nicht das Problem, sondern die Unfähigkeit, dieses in Form einer Antwort auszudrücken – professionell versteht sich.

Mit Nachdruck auf Rückmeldung pochen und Kommunikationsmangel ansprechen

Wenn du möchtest, dass sich etwas ändert, musst du den Mund aufmachen. Und so habe ich natürlich jeden meiner Freunde im Nachhinein noch einmal persönlich auf meine Einladung im Gruppenchat angesprochen. Jeder von ihnen wusste sofort, worauf ich hinaus wollte. Einer entschuldigte sich direkt, er hätte später antworten wollen und es dann vergessen. Beim nächsten musste für eine Zusage erst der Dienstplan abgestimmt werden – eine Info, die man auch zunächst in den Chat hätte schreiben können. Ein weiterer versuchte seine wissentlich mangelnde Kommunikation mit einem Lachen zu kaschieren.

Am Ende war es kein Beinbruch, aber dennoch wichtig, es nicht unkommentiert zu lassen. Was die private Gruppenkommunikation angeht, fasse ich mich übrigens auch an meine eigene Nase. Rückblickend hätte ich in so manchem Gruppenchat sicher engagierter sein können. Außerdem hat mich meine kürzliche Messenger-Erfahrung ebenso für den regulären Chat im 1:1 sensibilisiert. Auf diesen lassen sich die meisten der vorangegangenen Gründe zur Beteiligung an Gruppenchats übertragen.

Ein Gruppenchat soll jederzeit einen unkomplizierten und ortsunabhängigen Austausch all seiner Mitglieder zu einem bestimmten Thema ermöglichen. Lerne es zu schätzen, wenn du in Gruppen eingeladen und nach deiner Meinung gefragt wirst – sei der Anlass noch so klein. Nimm dir Zeit, zu antworten – schließlich investierten alle aktiven Gruppenmitglieder auch Zeit in ihre Fragen. Ein „Sorry, melde mich später“ ist doch eigentlich immer drin, oder?

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