Elternzeit als Vater? So hat sich Dominiks Denken mit seiner neuen Rolle verändert

Dominik ging nach dreieinhalb Jahren in Festanstellung mit der Geburt seines Sohnes in Elternzeit – für ein ganzes Jahr. Wie sein Umfeld darauf reagierte, was dieser Schritt für seine Vater-Sohn-Beziehung bedeuten sollte und ob der IT-Consultant nach seinen Erfahrungen heute noch einmal Elternzeit als Vater nehmen würde, erfährst du hier.

Die Elternzeit, also der Zeitraum unbezahlter Freistellung von der Arbeit nach der Ge­burt eines Kindes, kann zwischen den Eltern aufgeteilt oder nur von einem Elternteil in An­spruch ge­nom­men werden. Im Jahr 2018 waren laut Statistischem Bundesamt 42,1 Prozent aller in einem Arbeitsverhältnis stehenden Mütter im Alter von 20 bis 49 Jahren, deren jüngstes Kind unter drei Jahren ist, in Elternzeit. Die berufstätigen Väter innerhalb derselben Alterspanne schnitten bei der Erhebung lediglich mit stark zu überdenkenden 2,7 Prozent ab. Doch woran liegt das? Der folgende Erfahrungsbericht eines Vaters in Form eines Interviews zeigt einmal mehr, dass der Mensch seinem Glück meist nur selbst im Weg steht.

Wie kam es, dass du als Vater in Elternzeit gegangen bist?

Meine Frau ist Zahnärztin, sie hat zu der Zeit ihr Studium abgeschlossen und musste noch zwei Jahre Assistenzzeit machen, um eine Zahnarztpraxis übernehmen zu können. Da war es außer Frage, wer in Elternzeit geht. Das war im Prinzip der Hauptgrund. Elternzeit als Vater hätte ich sonst sicher nur zwei Monate gemacht – weil sie bezahlt werden und das beim Arbeitgeber natürlich besser angekommen wäre.

Wie hat dein berufliches Umfeld auf deine Elternzeit als Vater reagiert?

Meinem damaligen Chef hat das gar nicht so zugesagt. Aber im Endeffekt blieb ihm keine andere Möglichkeit. Dadurch, dass die Elternzeit schon sehr stark gesetzlich geregelt ist – auch unabhängig vom Geschlecht –, konnte ich für ein Jahr beruhigt gehen. Die Kollegen waren alle sehr begeistert und angetan, dass auch mal ein Vater in Elternzeit geht.

Wie hat dein privates Umfeld reagiert?

Mein privates Umfeld war erstaunt, dass ich als Vater in Elternzeit gehe. Weil man das in der Regel eben so immer noch nicht kennt, die Frau bleibt eher zu Hause. Nach der Aufklärung zu unseren Beweggründen waren eigentlich alle recht aufgeschlossen und hatten keine Vorurteile oder Ähnliches.

Ich konnte mir das tatsächlich auch nie vorstellen, zu sagen ‚Ich bleib jetzt ein Jahr zu Hause’ […]

War es nicht auch etwas amüsant, dass da immer noch so ein Klischee herrscht?

Nein. Ich konnte mir das tatsächlich auch nie vorstellen, zu sagen ‚Ich bleib jetzt ein Jahr zu Hause’, wenn man mich vor vier oder fünf Jahren gefragt hätte. Aber im Nachhinein ist es schon eine Erfahrung, die es wert war.

Wieso konntest du dir das nicht vorstellen?

Weil die Rollenverteilung eben immer noch und sehr klischeebehaftet ist. Es heißt halt immer, die Frau bleibt zu Hause. Vielleicht kann sie sich auch besser ums Kind kümmern. Es sollte ja auch gestillt werden in der ersten Zeit. Das kann ein Mann natürlich nicht übernehmen. Aber wenn man sich da arrangiert und mit Mitteln und Wegen aushilft, dann kriegt man das schon irgendwie hin. Und so haben wir das auch hinbekommen.

Wie sah dein Alltag als Vater in Elternzeit aus?

Windeln wechseln und Baby unterhalten – das war’s so die ersten Wochen bzw. Monate. Ich meine, wie kann man mit einem Neugeborenen interagieren? Man kriegt relativ wenig Antwort außer Geschrei zurück – von daher, sich ums Kind kümmern und viel Spazierengehen. Mit dem Einkaufen haben wir es so gemacht, wie wir es bereits vorher gehalten haben: Derjenige, der Zeit hatte, ist gegangen. Und ansonsten hat man sich in den acht Stunden, in denen man sonst gearbeitet hat, um das Kind gekümmert.

Hattest du anfangs Berührungsängste?

Am Anfang schon. Ich hatte ja zuvor in der Häufigkeit auch noch kein kleines Kind in der Hand. Da hat man schon Berührungsängste. Aber je mehr du es auf dem Arm gehabt hast bzw. je mehr du mit ihm gemacht hast, hast du auch gewusst, was du richtig und falsch machst. Es war nach der Geburt regelmäßig noch eine Hebamme da, die dir am Anfang zeigt, wie du dein Kind am besten hältst, wie du es tragen sollst. Sie schaut auch, dass es ordentlich zunimmt, ordentlich trinkt. Wenn du zu Hause bist, steht dir auf jeden Fall eine Hebamme zu.

Elternzeit als Vater
Alles Übungssache: Dominiks anfängliche Berührungsängste mit seinem neugeborenen Sohn sind in der Elternzeit schnell verflogen. (Bild: Sarah Stange Fotografie)

Erfahrungsbericht: Was war die größte Herausforderung?

(Lacht) Ich wollte meinem schreienden Kind schnell einen Schnuller holen und hab mir dabei meinen Knöchel gebrochen, weil ich auf der Treppe ausgerutscht bin – und musste mich dann zwölf Wochen mit gebrochenem Fuß um mein Kind kümmern. Generell ist es aber natürlich eine ganz andere Situation, zu gucken, wie man ein schreiendes bzw. ein weinendes Kind beruhigt und gestillt bekommt.

Hattest du Unterstützung?

Ja, wegen des Knöchelbruchs hatte ich in der Zeit eine Haushaltshilfe von der Versicherung gestellt bekommen. Außerdem wohnten wir nun schon im Haus von meinen Schwiegereltern. Sie sind beide Rentner und hatten da schon relativ viel Zeit für ihren Enkel, wenn ich irgendwelche Besorgungen machen, mal anderweitig unterwegs sein musste oder einfach mal fünf Minuten Pause brauchte. Ohne Schwiegereltern wäre es schon anstrengender, aber auf jeden Fall machbar.

Was war die schönste Erfahrung während deiner Elternzeit als Vater?

Da gab es viele Situationen. Aber man kriegt das – gerade als berufstätiger Mann, glaube ich – gar nicht so mit, wie ein Kind wirklich in einem Jahr heranwächst bzw. was für Fortschritte es macht. Und was für Fortschritte man in dem Alter schon macht. Das mitbekommen zu können, war eigentlich schon das Beste. Wirklich mitzubekommen, wie er sich von Tag zu Tag teilweise entwickelt hat, ist schon interessant.

Wie würdest du die Beziehung zu deinem Sohn heute beschreiben?

Die würde ich schon als sehr innig bezeichnen. Ich glaube, das macht auch das Jahr aus. Er hat zwar auch wirklich einen guten Bezug zu seiner Mama, aber in bestimmten Situationen – glaube ich – geht er lieber zu mir. Und das würde ich schon auf das Jahr zurückführen.

Glaubst du, dass eure Vater-Sohn-Beziehung auch ohne deine Elternzeit ähnlich wäre?

Nein, das glaube ich nicht. Weil die wenige Zeit, die ich sonst mit ihm verbracht hätte, einfach nicht ausgereicht hätte, um so eine Beziehung aufzubauen.

Elternzeit – egal, ob sie bezahlt wird oder nicht – würde ich auf jeden Fall wieder machen.

Was rätst du werdenden Vätern, die vor der Elternzeit-Frage stehen?

Elternzeit – egal, ob sie bezahlt wird oder nicht – würde ich auf jeden Fall wieder machen. Egal, ob zwei, vier oder sechs Monate. Wobei ich andere Väter kenne, die das stückeln und deren Elternzeit man dann gar nicht so mitbekommt. Die zwei Monate, die bezahlt werden, würde ich auf jeden Fall wieder machen. Grad am Anfang kann man mit dem Neugeborenen wie gesagt relativ wenig tun. Aber die Zeit einfach gemeinsam zu verbringen, ist schon wichtig – auch in den ersten Jahren.

Und wenn Mann Bedenken wegen des Jobs hat?

Ob Mann oder Frau, das ist ja erstmal egal. Ich glaube, es ist auch von der Job-Position des Elternteils her egal. Ich selbst habe mir gedacht, dass ich einfach ein bisschen eigensinnig sein und in erster Linie das tun muss, was mir bzw. uns als Familie wichtig ist.

Inzwischen ist Dominik stolzer Zweifachpapa, nach der Geburt seiner Tochter hat er ein weiteres Mal für ein Jahr Elternzeit als Vater genommen.

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