Welche Berufe systemrelevant sind, wer sie als solche einstuft und warum das wichtig ist

Systemrelevante Berufe bzw. Berufsgruppen sind derzeit in aller Munde – sie halten unser Land während der Corona-Krise am Laufen. Welche Berufe als systemrelevant gelten, wer für deren Einstufung verantwortlich ist und was diese so wichtig macht, liest du hier.

Wenn in diesen Tagen von systemrelevanten Berufen die Rede ist, wird vor allem von medizinischen Fachkräften und Pflegepersonal sowie von der Polizei oder Einzelhandelskräften gesprochen. Ohne jeden Zweifel leisten diese Menschen – nicht nur, aber besonders in diesen Zeiten – Großartiges. Jedoch zählen weitaus mehr Berufsgruppen zu jenen mit Systemrelevanz.

Definition: Was sind systemrelevante Berufe?

Der Begriff „Systemrelevante Berufe“ wird in Zeiten des Coronavirus besonders geprägt. Systemrelevant werden dabei solche Berufsgruppen genannt, deren Tätigkeiten für ein funktionierendes Gemeinwesen unentbehrlich sind. Auf Bundesebene werden diese Basisdienste als „Kritische Infrastrukturen“ (KRITIS) bezeichnet. In der Nationalen Strategie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS-Strategie) lautet die Definition Kritischer Infrastrukturen wie folgt:

„Kritische Infrastrukturen sind Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.“

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Kritische Infrastrukturen – Liste mit Sektoren und Branchen

Das Bundesministerium des Inneren unterteilt die Kritischen Infrastrukturen in neun Sektoren mit entsprechenden Branchen:

  1. Energie (Strom-, Gas-, Kraftstoff- und Heizöl-, Fernwärmeversorgung)
  2. Wasser (Trinkwasserversorgung, Abwasserbeseitigung)
  3. Ernährung (Ernährungswirtschaft, Lebensmittelversorgung)
  4. Informationstechnik und Telekommunikation
  5. Gesundheit (Medizinische Versorgung, Arzneimittel und Impfstoffe, Labore)
  6. Finanz- und Versicherungswesen (Banken, Börsen, Versicherungen, Finanzdienstleister)
  7. Transport und Verkehr (Luftfahrt, Seeschifffahrt, Binnenschifffahrt, Schienenverkehr, Straßenverkehr, Logistik)
  8. Staat und Verwaltung (Regierung und Verwaltung, Parlament, Justizeinrichtungen, Notfall- und Rettungswesen einschließlich Katastrophenschutz)
  9. Medien und Kultur (Rundfunk [Fernsehen und Radio], gedruckte und elektronische Presse, Kulturgut, symbolträchtige Bauwerke)

In dieser Einteilung werden allerdings keine konkreten Tätigkeiten benannt, die als systemrelevante Berufe eingestuft werden.

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Welche Berufe sind systemrelevant?

Die Sektoren und Branchen der Kritischen Infrastrukturen lassen zwar auf diverse Berufsgruppen mit Systemrelevanz schließen. Welche Berufe jedoch konkret als systemrelevant gelten, ist nicht bundesweit einheitlich formuliert, sondern stuft jedes Bundesland für sich selbst ein.

Beispiel: Hier findest du eine Übersicht über die systemrelevanten Berufe von Berlin während der Corona-Krise.

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Einstufung als systemrelevante Berufsgruppe – darum ist sie so wichtig

Erst im Ernstfall – wie etwa in einer Krisensituation, in die uns aktuell der Coronavirus gebracht hat – wird Systemrelevanz ersichtlich. Je nachdem, welche Umstände sich ereignen, können verschiedene Berufsgruppen für den Erhalt des Gemeinwesens unersetzlich werden – auch solche, die bis dato nicht als systemrelevant deklariert waren. Ist dies der Fall, muss die Liste der Kritischen Infrastrukturen vonseiten der jeweiligen Bundesländer schnellstmöglich zugunsten der betroffenen Berufsgruppen ergänzt werden, um deren unverzichtbare Leistung zu sichern. Welche Dringlichkeit diese äußerst notwenigen Ergänzungen haben können, wurde während der Corona-Krise bislang vor allem mit der Schließung von Schulen, Kitas und Kindertagespflegestellen deutlich.

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Systemrelevante Berufe in der Corona-Krise

Systemrelevante Berufe Notfallbetreuung
Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen haben während der Corona-Krise unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf eine Notfallbetreuung. (Bild: Pexels/Natalie)

Mit der Corona-Krise konfrontiert, haben viele Bundesländer ihre Liste der für sie systemrelevanten Berufe bereits und mitunter sogar mehrfach erweitert. Dringlicher Handlungsbedarf herrschte vor allem infolge der letztlich bundesweiten Schließung von Schulen, Kitas und Kindertagespflegestellen. In manchen Bundesländern erfolgte diese Anordnung so kurzfristig, dass es berufstätigen Eltern kaum mehr möglich war, eine Betreuungslösung für ihre Kinder zu organisieren – Großeltern waren und sind keine Option, da ältere Menschen prinzipiell zur Risikogruppe gehören.

Erweiterung um 10. Sektor: Schulen, Kinderbetreuung und Behindertenhilfe

Um die Existenz der Kritischen Infrastrukturen wegen der geschlossenen Kinderbetreuungseinrichtungen nicht zu gefährden, haben Eltern in systemrelevanten Berufen jedoch weiterhin Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder – vorausgesetzt, sie erfüllen die Bedingungen ihrer jeweiligen Landesregierung. Zudem bestehen je nach Bundesland einige weitere Ausnahmefälle, für die eine Notfallbetreuung vorgesehen ist. Um diese Betreuung wiederum zu sichern, wurden die Kritischen Infrastrukturen von den Bundesländern im Zuge der Schließungen mit geringfügigen Abweichungen um einen 10. Sektor erweitert. Dieser umfasst im Wesentlichen die Schulen, Kinderbetreuung und Behindertenhilfe.

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Einstufung systemrelevanter Berufe durch Bundesländer birgt Nachteile

Einige Berufsgruppen sehen sich aktuell darin benachteiligt, dass die Einstufung der Systemrelevanz Ländersache ist – so zum Beispiel Bestatter. Während viele ihrer Kollegen bereits als systemrelevant eingestuft sind, warten Bestatter aus anderen Bundesländer bislang noch auf diesen Status. Das Problem: Die Sicherung systemrelevanter Berufsgruppen zum Fortbestand des Gemeinwesens hat klare Priorität. Den „statuslosen“ Bestattern gehe unterdessen etwa das Desinfektionsmittel aus, eine persönliche Betreuung der Hinterbliebenen fehle.

Journalisten und Medienvertretern wurde hingegen bereits in vielen Bundesländern eine Systemrelevanz zugesprochen. Dazu heißt es beispielsweise in einem Schreiben der Staatskanzlei Brandenburg an die Landräte und Oberbürgermeister, dass die Arbeit der Medien „für eine sachgerechte und regelmäßige Information der Öffentlichkeit“ unerlässlich sei. Im Gegensatz zu Bestattern müssen Journalisten, deren Bundesland sie noch nicht als systemrelevant eingestuft hat, derzeit allerdings nicht um die notwendigsten Mittel zur Ausübung ihrer Tätigkeit bangen.

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Systemrelevante Berufe werden als solche konkret von den Landesregierungen eingestuft. Du bist nicht sicher, welche Berufsgruppen in deinem Bundesland als systemrelevant gelten und welchen Kindern eine Notfallbetreuung zusteht? Auf den Seiten des Bildungsministeriums deines Bundeslandes findest du alle Informationen.

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