Welche Lösungsansätze die klimaintelligente Landwirtschaft für die Zukunft bereithält, wie auch wir als Verbraucher die Ernährungsindustrie zugunsten der Nachhaltigkeit beeinflussen können und welche Rolle die Politik dabei spielt, verrate ich dir hier.
Vom 17. bis 26. Januar rief die Messe Berlin zum 85. Mal zur Internationalen Grünen Woche (IGW) und verzeichnete eine Rekordbeteiligung: 1.810 Aussteller aus 72 Ländern präsentierten auf 129.000 Quadratmetern Hallenfläche ihre Innovationen und Produkte. Auch die Besucher- und Verkaufszahlen überstiegen jene aus dem Vorjahr: Über 400.000 Messe- und Kongressbesucher, darunter etwa 90.000 Fachbesucher, gaben laut gruenewoche.de mehr als 52 Millionen Euro für den Verzehr vor Ort bzw. für den Kauf von Waren aus.
Die mit Abstand wichtigste Größe der Agrarmesse war allerdings der Stern, unter dem sie stand: Die Herausforderungen des Klimawandels für die Landwirtschaft und Ernährungsindustrie sowie Lösungsansätze für nachhaltige, ressourcenschonende und umweltfreundliche Produktionsverfahren bildeten die Kernthemen.
Inhalt
Klimaintelligente Landwirtschaft für Nachhaltigkeit & Co.

Die wichtigste Station in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft bildete auf der Grünen Woche 2020 der ErlebnisBauernhof in Halle 3.2. Hier wurde am deutlichsten sichtbar, wie die Landwirtschaft in diesen Bereichen Verantwortung übernimmt und welche Lösungsansätze sie für eine nachhaltige, ressourcenschonende und umweltfreundliche Produktion von Nahrungsmitteln entwickelt.
Top 3 Lösungsansätze für eine klimafreundliche Produktion
1Regionales Tierfutter
Ebenso wie die Verbraucher tun auch Landwirte mit dem Einkauf regionaler Produkte dem Klima etwas Gutes. Kaufen sie das Futter für ihre Tiere in ihrem direkten Umkreis oder aus ihrer Region, lässt sich CO2 und Energie sparen.
2Klimafreundliche Kraftstoffe
Gleich drei Konzepte für alternative Antriebe im Ackerbau wurden auf dem ErlebnisBauernhof vorgestellt: Strom, Biogas oder Pflanzenöl aus landwirtschaftlicher Herstellung sollen künftig auch Landwirtschaftsmaschinen zum Laufen bringen.
3Feld-Roboter mit E-Antrieb
Zur Verbesserung der Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft sollen zukünftig Feld-Roboter beitragen. Der Clou hinter der Technik: autonome Fahrmodi, elektrische Antriebskonzepte, niedrige Eigengewichte und mechanische Bearbeitungswerkzeuge.
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Trend: Regionale Produkte kaufen und Nachhaltigkeit fördern

Neben der Begeisterung für die innovativen Lösungsansätze der Landwirtschaft war vor allem die Kaufkraft des Messe-Publikums unübersehbar. Dichtes Gedränge herrschte nicht nur in den Hallen beliebter Urlaubsländer wie Italien und der Schweiz, wo besonders Käse- und Wurstspezialitäten gefragt waren. Einen ebenso großen Ansturm konnten die Hallen unserer heimischen Bundesländer verzeichnen. Vor allem die regionalen Produkte aus Brandenburg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern waren inmitten der Großmarkt-Atmosphäre heiß begehrt und sorgten bei den Besuchern für volle Tüten.
Entscheide dich für nachhaltig produzierte Lebensmittel aus deiner Region.
Mit dem Griff zum regionalen Produkt macht das Publikum der Grünen Woche 2020 vor, womit der Verbraucher fernab der Messe die Ernährungsindustrie verstärkt lenken kann: Entscheidest du dich beim Einkaufen für ein Produkt aus deiner Region, unterstützt du nicht nur die regionale Landwirtschaft. Auf Dauer kannst du auch dazu beitragen, den übermäßigen und klimaschädlichen Import von Waren aus dem Ausland einzudämmen. Idealerweise wird das von dir gewählte regionale Nahrungsmittel zudem nachhaltig und fair produziert. Dass eine solche Ernährung nicht die günstigste sein kann, ist hinlänglich bekannt. Solange du aber die Wahl hast, liegt die Entscheidung für oder gegen klimaintelligente Landwirtschaft bzw. nachhaltigen und fairen Handel ebenso in deiner Hand.
Diesen wichtigen Appell hatte sich auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf die Fahne geschrieben:
„Mit unserem Hallenmotto ‚Du entscheidest‘ haben wir den Besuchern einen Perspektivenwechsel ermöglicht. Sie konnten bei uns erfahren, was sie als Verbraucher im Alltag mitbestimmen und entscheiden können – und damit Einfluss ausüben, was auf Dauer produziert wird“, so die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner während der Agrarwoche.
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Ernährungsindustrie 2020: Herausforderung für Landwirtschaft, Verbraucher und Politik

Gleich vier Bundesministerien präsentierten sich auf der Grünen Woche 2020: Neben dem Bundeslandwirtschaftsministerium waren ebenso so das Bundesentwicklungs-, Bundesumwelt- und Bundesforschungsministerium mit eigenen Sonderschauen vertreten. Trotz aller Präsenz hagelte es pünktlich zum Eröffnungswochenende der Agrarmesse bei Demonstrationen am Brandenburger Tor aus zwei Lagern heftige Kritik für die Politik – der Grund: das von der Bundesregierung im September 2019 verabschiedete Agrarpaket.
Während am Freitag, dem 17. Januar 2020, konventionelle Landwirte der Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“ mit mehreren 100 Traktoren gegen schärfere Umweltauflagen demonstrierten, versammelten sich am Samstag laut Veranstalter rund 27.000 Menschen unter dem Slogan „Agrarwende anpacken, Klima schützen!“ für mehr Naturschutz und gegen Massentierhaltung zur 10. „Wir haben es satt!“-Demo. Nun soll der Dialog helfen:
„Wir müssen offen sein für die Position, die Haltung des anderen.“ – Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft
„Wir müssen offen sein für die Position, die Haltung des anderen“, zeigte sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner während der Messe gesprächsoffen und kündigte für das Frühjahr eine bundesweite Dialogreihe an, die „Umweltverbände, Politik, Medien, Verbraucher und natürlich unsere Bauern“ an einen Tisch bringen soll.
Unterstützung erfuhr Klöckner auf der Grünen Woche 2020 von gleich sieben Bundesministerkolleginnen und -kollegen, die sich auf durchgetakteten Rundgängen zumindest versuchten, ein Bild vom aktuellen Stand der Landwirtschaft zu machen – unter ihnen Gerd Müller (Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit), Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung), Dorothee Bär (Staatsministerin für Digitalisierung), Franziska Giffey (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und Annegret Kramp-Karrenbauer (Bundesministerin der Verteidigung).

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Tipps für deinen Besuch auf der Internationalen Grünen Woche
Du möchtest die Landwirtschaftsmesse auch einmal besuchen? Die 86. Internationale Grüne Woche findet vom 15. bis 24. Januar 2021 auf dem Berliner Messegelände statt. Ein Tagesticket liegt bei etwa 15 Euro pro Person, die genauen Preise für das kommende Jahr werden erst im Herbst 2020 bekanntgegeben. Für einen rundum gelungenen Tag auf der IGW können dir diese Tipps helfen:
- Buche dein Ticket am besten vorab online auf gruenewoche.de, um die Wartezeit an der Tageskasse zu umgehen.
- Die Messe ist groß. Beginne deinen Besuch so früh wie möglich – vor allem, wenn du nur einen Tag hast.
- Verschaffe dir vor dem Messebesuch einen Überblick über den Hallenplan und notiere dir, welche Hallen du unbedingt besuchen möchtest bzw. plane eine Route.
- Lass dir den ErlebnisBauernhof sowie die Blumen- und Tierhalle samt Arena auf keinen Fall entgehen.
- Zieh dich nicht zu warm an, die Hallen sind gut beheizt und vor allem voll.
- Hab genügend Bargeld und einen Jutebeutel dabei, wenn du dir die ein oder anderen Köstlichkeiten und Schnäppchen sichern möchtest.
- Wenn du frühmorgens ein Frühstück brauchst, halte es klein – auf der IGW gibt es alles, was dein kulinarisches Herz begehrt.


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Die Grüne Woche verdeutlicht einmal mehr: 2020 wird ein entscheidendes Jahr für Klima und Landwirtschaft. Nicht zu vergessen, dass es neben all den Bestrebungen für mehr Klimabewusstsein und Nachhaltigkeit auch Bauern gibt, denen dieser Wandel in der landwirtschaftlichen Produktion zu schnell geht. Verständlich, hat die Politik doch viel zu lange zu wenig getan, um einer klimabewussten Landwirtschaft, wie sie längst erstrebenswert ist, den Weg in die Praxis zu ebnen.
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